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Posten 23

Werkgruppe rettet Bahnwärterhäuschen

Bahnwärterhaus vor dem Abriss bewahrt

Von Gottfried Bercks
Anfang der 90er Jahre war bekannt geworden, dass die Bahn eine Modernisierung der Strecke Münster-Gronau beabsichtigte. Im Vorstand des Heimatvereins hörte man Stimmen, die sich für den Erhalt eines der vorhandenen Posten an dieser Stecke einsetzen wollten. Als dann das Bauunternehmen Arning 1996 den Auftrag zum Abbruch des „Postens 23“ erhielt, dauerte es nicht lange, bis mit der Bahn vertraglich vereinbart wurde, dass sowohl der Posten als auch die Schrankenanlage Eigentum des Heimatvereins werden konnte.
An ein sofortiges Umsetzen des Projektes –an den neuen Standort Fahrradweg nach Metelen- konnte noch nicht gedacht werden, da alle damals verfügbaren Kräfte des Heimatvereins bei der Restaurierung der Niedermühle gebunden waren. So wurde die Schrankenanlage erst mal auf dem Werkplatz der Fa.Gregor Gervink zwischengelagert. Daneben ging man aber schon an die Versetzung des Bahnwärterhäuschens, da Arning seinen Auftrag gegenüber der Bahn erfüllen musste. Willi Arning war es auch, der die glänzende Idee hatte, den Posten als Ganzes an den neuen Standort zu versetzen. Dazu musste die Sohle des Baukörpers erst unterhöhlt, ein Trägerrost eingezogen und die Gesamtsicherung vorgenommen werden. Bei diesen nicht ganz leichten Arbeiten haben sich in besonderem Maße Irmgard und Hermann Greiwe hervorgetan. Nachdem an dem neuen Standort eine Betonsohle eingebracht war, konnte am 19.12.1995 bei heftigem Schneetreiben der Transport mithilfe eines Tiefladers bewerkstelligt werden. Bis auf den schadhaften Kaminkopf konnte das Bahnwärterhäuschen mit einem Kranwagen wohlbehalten an dem neuen Standort abgesetzt werden
Die örtlichen Arbeiten konnten jetzt beginnen. Mit Horst Hilder verstärkte die Werkgruppe sich um einen Bahnfachmann. Von Juli bis September 1998 traf sich die Gruppe fast täglich bei Gervink, um alle Einzelteile von den Schrankenböcken abzuschrauben, zu entfetten und zu entrosten. Das gleiche geschah mit den Schranken selbst einschließlich der Behänge. Nachdem die Blech- und Stahlteile gesandstrahlt und mit Rostschutz versehen waren, erfolgte der Transport zum neuen Standort an der alten Strecke der Westfälischen Landeseisenbahn bei der Besitzung Ernst Köllen, wo alles wieder zusammengeschraubt und nach den erforderlichen Erd- und Ausschachtungsarbeiten  die Schrankenböcke eingebaut, die Seilzüge verlegt und die Schranken eingehängt werden konnten. Es war schon eine Flasche Bier und ein Schnäpschen wert, als Ende Oktober 1998 zum ersten Mal die Schranken hoch- und runtergezogen werden konnten. Im darauffolgenden Jahr 1999 wollte man fertig werden. Das Bahnwärterhäuschen musste noch in Farbe gesetzt, Bänke eingebaut, eine Informationstafel erstellt und mit Witterungsschutz vor Ort aufgestellt und das Umfeld entsprechend gestaltet  werden.
Letztendlich war der Heimatverein mit seiner damaligen Werkgruppe stolz darauf, mit 500 Arbeitsstunden ohne an fremde Türen geklopft zu haben, ein technisches Bauwerk, wenn auch nicht mehr Denkmal, für die Nachwelt erhalten zu haben. Es gibt Zeugnis, wo einst die Schrankenwärter ihren Arbeitsplatz hatten, und wie die Schranken zu bedienen waren, obwohl kritische Zeitgenossen auch mit Recht heute darauf hinweisen, dass an der ehemaligen Stecke der Westfälischen Landeseisenbahn  nie ein Posten gestanden und auch nie Schrankenanlagen eingebaut waren.
Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass der „Posten 23“ noch vielen Radfahrern ein willkommener Rastplatz oder Unterschlupf bei Regen sein kann und die Schrankenanlage als technische Einrichtung noch vielen Schulklassen vorgeführt werden kann.
Fotos: Günther Hilgemann
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